Wer ich bin
„Wer sein Pferd wahrlich gesund erhaltend ausbilden will, muss das eigene Ego oft in den Schatten stellen.“
Ich wurde einmal gefragt, warum ich eigentlich reite. Eine einfache Frage – und doch hat sie mich völlig überrascht. Obwohl Pferde damals schon über zwei Jahrzehnte mein Leben begleiteten, hatte ich sie mir selbst nie bewusst gestellt.
Warum reite ich überhaupt? Warum verbringe ich mein Leben mit Pferden?
Als ich kurz innehielt, wurde mir klar: Pferde helfen mir, mich selbst zu reflektieren. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch meine gesamte Arbeit.
Daraus entwickelte sich meine Philosophie:
Mit dem Pferd zu arbeiten bedeutet für mich nicht, ein Pferd zu „benutzen“, sondern eine echte Partnerschaft zu leben und zu pflegen. Ich wünsche mir ein Pferd, das sich freiwillig auf mich einlässt – nicht aus Druck oder Alternativlosigkeit, sondern aus Vertrauen und Freude an Zusammenarbeit. Ich glaube daran, dass jedes Pferd nur das geben kann, was wir ihm zuvor schenken: Sicherheit, Verständnis, Klarheit, Vertrauen. Und dass wir als Menschen die Verantwortung tragen, die Bedürfnisse des Pferdes wahrzunehmen, bevor wir etwas von ihm verlangen. Pferde spiegeln uns unverfälscht ehrlich. Genau deshalb sind sie so außergewöhnliche Lehrmeister.
Für mich steht am Anfang immer eine Frage:
Was braucht dieses Pferd von mir, damit es mit mir arbeiten kann und möchte – körperlich und mental?
Aus dieser Frage ergibt sich meine Haltung:
Wenn ich mir Gelassenheit wünsche, muss ich selbst Ruhe und Orientierung geben.
Wenn ich mir Vertrauen wünsche, muss ich Sicherheit und Zuversicht ausstrahlen um mir dies zu verdienen.
Wenn ich mir Aufmerksamkeit wünsche, muss ich präsent und bereit sein zuzuhören – auch dann, wenn mir die Antwort unbequem ist.
Fehlt dem Pferd etwas, ist es meine Aufgabe, diese Lücke zu schließen. Nicht das Pferd muss „funktionieren“, damit mein Bild aufgeht – ich muss mich so aufstellen, dass es mit mir gut arbeiten kann. Dafür braucht es ehrliche Selbstreflexion, klare Entscheidungen und die Einstellung, Tempo und Anspruch dem Pferd anzupassen. Daraus ist für mich ein persönlicher Leitsatz entstanden:
„Wer sein Pferd wahrlich gesund erhaltend ausbilden will, muss das eigene Ego oft in den Schatten stellen.“
Gleichzeitig orientiert sich meine Arbeit an einem Grundgedanken, der die klassische Reiterei prägt: Die Dressur soll dem Pferd dienen – nicht umgekehrt.
Das bedeutet: Ich setze Lektionen gezielt ein, um Balance, Tragkraft, Koordination und Psyche des Pferdes aufzubauen. Ein Travers, eine Piaffe oder ein Galoppwechsel haben für mich nur dann einen Sinn, wenn sie das Pferd verständlich, nachvollziehbar und körperlich sinnvoll unterstützen. So verstehe ich meine Arbeit: klassisch geprägt, fein in der Hilfengebung, klar in der Struktur – immer mit dem Ziel, dass das Pferd langfristig tragfähig bleibt und sich in der Arbeit in jeder Hinsicht wohlfühlen kann.
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Diese Haltung begleitet mich seit meiner Kindheit, denn ich hatte das Glück, mit Pferden aufzuwachsen. Meine Mutter – Ann-Theresia Michahelles, Reittherapeutin, Coach und Heilpädagogin – prägte mich früh. Von ihr lernte ich, dass jedes Pferd eine Persönlichkeit hat und steten Anspruch auf Empathie und Hingabe. Ich lernte, unter anderem durch das Centered Riding, wie wichtig Körperbewusstsein ist, wie viel Freude Freiheit bedeuten kann – etwa mit meiner Islandstute Rán am Halsring über die Wiesen zu fetzen – und wie sehr wir verantwortlich sind, Pferde physisch und psychisch gesund zu erhalten.
Von 2017 und 2019 durfte ich zu meinem Glück intensiv von Maren Schulze, klassisch-barock Trainerin A, lernen. Auf ihrem Hengsthof am Wümmegrund sammelte ich wertvolle Erfahrung mit Pferden unterschiedlichster Rassen und Ausbildungsstände und entwickelte ein tieferes Verständnis für die Klassische Reitkunst.
Der nächste prägende Schritt führte mich auf das Lusitanozuchtgestüt La Perla in Spanien, geführt von Leonie Bühlmann. Dort fand ich auch Limonero, meinen Hengst, meinen größten Lehrmeister und besten Freund. Auf La Perla, zuerst 2019 als Praktikantin und später von 2021 bis 2023 als Bereiterin, waren es erneut vor allem die Pferde, die mich formten. Der Schwerpunkt lag auf der Ausbildung von Jungpferden, die von mir Klarheit, Geduld und ein tiefes Verständnis für individuelle Entwicklung verlangten. Gleichzeitig schulten mich die hoch ausgebildeten Zuchthengste in präziser Hilfengebung und fortgeschrittenen Lektionen, wodurch sich meine Wahrnehmung und mein Gefühl für feine Ausbildung weiter schärften. Das umfassende Wissen von Leonie Bühlmann und Stephanie Demmelbauer beeinflusste meinen Weg hin zu korrekter, biomechanisch sinnvoller und pferdegerechter Ausbildung nachhaltig.
2023 führte mich mein Weg zurück nach Deutschland. Heute arbeite ich als selbstständige Trainerin und Bereiterin im Raum Magdeburg - Berlin - Brandenburg, reise aber auch für Kurse deutschland- und europaweit. Ich vertrete die Haltung, dass die Ausbildung des Pferdes immer auch eine Ausbildung unserer selbst ist. Nur wenn wir bereit sind, uns selbst zu hinterfragen, können wir Pferden eine Arbeit ermöglichen, die sie stärkt, statt sie zu verbiegen. Genau das ist der Kern meiner Arbeit: ein feines, freudiges und klares Miteinander, in dem das Pferd ernst und wahrgenommen wird und freudvoll gesunde, tragfähige Bewegung lernen darf.
Die Leidenschaft begann früh:
„Mein Pferd ist mein Spiegel, der meine gute und schlechte Laune unverfälscht wieder gibt. Sieh hinein in die Augen Deines Pferdes, aber erschrecke nicht über die Wahrheit.“
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